Der Waschbär vom Alexanderplatz

Dass es in Berlin allerorten kreucht und fleucht ist ja an sich keine Neuigkeit mehr. Nicht nur in den Randbezirken tummeln sich Wildschweine, Rehe und Hirsche, entlaufene Hunde, Katzen, Hamster, Mäuse, Meerschweinchen und Krokodile. Gerüchten zu folge sollen auf jeden Einwohner vier Ratten kommen und außerdem sagen sich in Berlin sowieso Fuchs und Hase Gute Nacht.
Trotzdem waren wir verwundert, als uns Samstag Nacht ein etwas exotischeres Tierchen neugierig von einem Dach am Alex sein Näschen entgegenstreckte: ein Waschbär hatte es sich über dem Eingang vom Burger King gemütlich gemacht. Das Tier zeigte keine Scheu vor Menschen, im Gegenteil, man hatte den Eindruck, als wolle er mit den Passanten spielen, er streckte ihnen immer wieder seine Pfoten von seinem drei Meter hohen Ausguck entgegen. Dies lässt darauf schließen, dass es sich möglicherweise um ein entlaufenes Exemplar seiner Gattung handelte. Vielleicht wäre es eine gute Idee gewesen, die Feuerwehr zu rufen und das Tier vorsorglich einfangen zu lassen. Andererseits: Free all Animals und so… Nun ja.
Noch ein Foto und interessante Infos zu Waschbären in Deutschland nach dem Klick.

Ursprünglich kamen die Waschbären nur in Nordamerika vor, wurden jedoch im 20. Jahrhundert auch in Deutschland heimisch. Aus dem Wikipedia-Artikel über Waschbären dazu:
Der Waschbär (Procyon lotor), auch als Nordamerikanischer Waschbär oder altertümlich als Schupp bezeichnet, ist ein in Nordamerika heimisches mittelgroßes Säugetier. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist er als Neozoon auch auf dem europäischen Festland, dem Kaukasus und Japan vertreten, nachdem er dort aus Gehegen entkommen ist oder ausgesetzt wurde. Gewässerreiche Laub- und Mischwälder stellen das bevorzugte Habitat der überwiegend nachtaktiven Raubtierart dar, die aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit aber auch zunehmend in Bergwäldern, Salzwiesen und urbanen Gebieten anzutreffen ist.
Trotz der Ausbreitung auch auf urbane Gebiete zeigt die Verbreitungskarte einen weißen Fleck für Berlin, hier scheinen die Tierchen üblicherweise nicht aufzutauchen:
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(Quelle: de.wikipedia.org, unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation)
Interessant ist auch die Geschichte der deutschen Waschbärenpopulationen:
Das für die Verbreitung des Waschbären in Europa wichtigste Ereignis war das Aussetzen von zwei Waschbärpaaren am 12. April 1934 am hessischen Edersee . Die vier Waschbären wurden vom Forstmeister Wilhelm Freiherr Sittich von Berlepsch auf Wunsch des Besitzers, dem Geflügelzüchter Rolf Haag, ausgesetzt, noch bevor er dazu zwei Wochen später die Genehmigung des Preußischen Landesjagdamts erhielt um dadurch „die heimische Fauna zu bereichern“. Obwohl es schon vorher ein paar Ansiedlungsversuche gegeben hatte, war nur dieser erfolgreich. Das Gebiet um den Edersee stellte einen für die ausgesetzten Waschbären fast optimalen Lebensraum dar, so dass die von diesem Zentrum ausgehende weitere Verbreitung schnell und dauerhaft erfolgen konnte. 1956 wurde der Bestand in Deutschland auf 285 Tiere geschätzt, 1970 auf etwa 20.000 Tiere und im Jahr 2005 auf eine niedrige bis mittlere sechsstellige Zahl. Obwohl durch diesen Gründereffekt ein genetischer Flaschenhals entstanden ist, scheint dies keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Waschbärpopulation gehabt zu haben.
Die Vorfahren unseres Freundes stammen aber wahrscheinlich eher von diesen hier ab:
Der Ausbruch von etwa zwei Dutzend Waschbären nach einem Bombentreffer auf ein Waschbärgehege in Wolfshagen (heute Ortsteil von Altlandsberg) bei Strausberg in Brandenburg im Jahre 1945 führte zu einem weiteren Verbreitungsgebiet. Die daraus entstandene Population lässt sich bis heute genetisch und parasitologisch von der mitteldeutschen unterscheiden. Während über 70 Prozent der Waschbären der mitteldeutschen Population mit dem Waschbärspulwurm infiziert sind, wurde bislang bei keinem Waschbär aus dem brandenburgischen Verbreitungsgebiet eine Spulwurminfektion diagnostiziert.
Ganz schön spannend…
UPDATE: Anscheinend hat der Waschbär sogar einen Namen: Er heißt “Alex” (wie kreativ, warum nicht gleich “Waschi”). Mehr dazu im Tagesspiegel.































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